das tote Pferd hinter sich lassen

Es beginnt mit einem Ende!

Am Anfang steht das Gefühl, die Wahrnehmung, dass etwas vorbei ist. Vielleicht kommt dieses als langsame Entwicklung, die sich mehr und mehr in den Vordergrund drängt, vielleicht plötzlich als eine Art Erschütterung, ein Schock, ein Ereignis, mit dem sich das Leben in eine neue Richtung dreht. Während die äußeren Vorgänge des Lebens weiter gehen, kann das eigene innere Erleben diesen Entwicklungen hinterher laufen. 
 
Was macht Ende Erfahrungen so schwierig?
 
Da ist zum einen die Geschichte, dass damit etwas unwiederbringlich vorbei ist und mit dem Verlust so etwas wie Trauer verbunden ist. Gleichzeitig ist damit aber auch kein direkter Anfang verbunden. Was folgt ist Unbestimmtheit. Ein Ende schafft aber oft erst den Raum für Neues.  
Oftmals bleiben unerledigte Dinge zurück, die durch das Ende nicht erledigt werden konnten und wahrscheinlich auch nie mehr erledigt werden können.
Erzwungene Übergänge sind zusätzlich zu den Verlusten weiterhin auch mit Kränkungen, dem Teil-Verlust von Identität und Selbstwertgefühl verbunden. 
Ende Erfahrungen können Angst machen, weil sich zunächst nichts Neues unmittelbar anschließt und damit Unsicherheit und Irritationen entstehen.
Das Prinzip Hoffnung bringt einen dazu, Beendigungen nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, indem nicht ganz klar ist, ob das Pferd, das man reitet, auch wirklich tot ist. Man könnte ihm ja noch einmal die Sporen geben, größere Sporen, härtere. 
Als Konsequenz hat man nur eingeschränkten Zugang zu seinen Ressourcen. Denn durch die Fokussierung auf die Reanimation sucht man die Lösung eher im „mehr vom selben“ als in kreativen Lösungsideen. 
Hilfreich kann dabei eine Einstellung sein, wie „Nichts tun müssen, wissen müssen, im Vertrauen, dass ein Teil von mir selbst, zu dem ich im Moment keinen richtigen Zugang habe, all das weiß und tut, was notwendig ist“.
 
Dennoch beginnt mit dem Ende der Anfang, wenn auch ein zunächst ungewisser, unbestimmter!
 
 
Kleine Übungen – Dem Ende ins Auge schauen
 
Beschäftigung mit früheren Ende Erfahrungen: Wie wurden diese bewältigt? Welche meiner Fähigkeiten oder Ressourcen waren förderlich für mich? 
Von welchen lieb gewonnen oder für einen selbst bedeutsamen Vorstellungen müsste gilt es, sich zu verabschieden, um die Veränderung zu akzeptieren? Wie ändert sich meine Identität, mein Selbstverständnis durch das Ende?
Was hindert mich nach vorne zu schauen?
Die zwei Seiten der Ambivalenz zwischen dem Alten und dem Neuen – noch Unbestimmten – erkunden. 
Welche Veränderung genau steht an?
Gibt es ein Symbol, ein Bild, eine Figur etc., das sich für mich mit diesem Ende verbindet?
Welche Veränderungen stünden an, hätte ich mich mit diesem Ende ausgesöhnt?
Was ist die Kehrseite der Veränderung? Was kann ich durch das Ende gewinnen?